Ammenmärchen über Wasserschildkröten

 

... und die Erde ist eine Scheibe ... !    

 

 
falsch - richtig


"es ist eine Gelbwangenschmuckschildkröte"

Augenscheinlich wird in vielen Zooläden jede Schildkröte, die gelbe Streifen am Kopf hat, als Gelbwangenschmuckschildkröte angepriesen. Der "Fach"handel ist unwissend oder macht sich nicht die Mühe, die richtige Artenbezeichnung zu verwenden. Das hat oftmals zur Folge, dass die Kunden meinen, eine Gelbwangenschmuckschildkröte zu kaufen, es in Wirklichkeit aber eine ganz andere Art ist - oftmals Pseudemys concinna, die wesentlich größer wird als Trachemys scripta scripta (Gelbwangenschmuckschildkröte) und auch andere Ansprüche an die Pflege stellt.
Also Vorsicht mit den Artenbezeichnungen im Zooladen! Nicht immer ist das was auf dem Verkaufsschild steht auch das was im Becken ist!

"Die Tiere passen sich der Größe des Beckens an"

Egal wie klein das Becken ist, die Tiere werden immer die von der Natur vorgegebene Endgröße erreichen.

"Katzentrockenfutter ist das ideale Futter für Wasserschildkröten"

Wasserschildkröten können davon Gicht und Organschäden bekommen, zur Fütterung gibt es wahrlich bessere Alternativen.

"Jede Wasserschildkröte kann man problemlos und ohne viel Aufwand im Teich halten, auch über den Winter"

Viele im Geschäft erhältlichen Arten sind nicht für den Aufenthalt im ungeschützten Teich geeignet oder eben nur für die warmen Sommermonate. Eine Teichüberwinterung werden die wenigsten Arten überleben, wenn sie auch nicht gleich im ersten Winter sterben, heißt es nicht, dass es auch den nächsten gut geht. Außerdem sollte der Teich eingezäunt sein, damit die Schildkröte nicht auf Wanderschaft geht. Bei der Einzäunung ist zu beachten, dass WSK wahre Kletterkünstler sind, was oft unterschätzt wird!

"Das Geschlecht und damit die Endgröße kann man schon bei Schlüpflingen feststellen"

Eine Geschlechtsbestimmung ist frühestens ab 10 cm Panzerlänge möglich - bei kleinbleibenden Arten entsprechend etwas früher.
Das Geschlecht kann während der Inkubation der Eier per Temperaturmethode beeinflusst werden, dennoch wird ein verantwortungsbewußter Züchter nie eine 100%-ige Sicherheit geben.

"Auf die Beratung und Aussagen der Zoofachhändler kann man sich immer verlassen"

Leider ist genau das Gegenteil der Fall. Meist hat der sog. ZooFACHhandel keine Ahnung bzw. will nur verkaufen, egal wie und was!

"Eine Winterruhe ist nicht nötig"

Eine Winterruhe ist wichtig für die Gesundheit und Wachstum der meisten Wasserschildkröten. Allerdings sollte man sich erkundigen, was man für eine Art besitzt und welche Art Überwinterung für sie in Betracht kommt. Nicht alle Arten müssen in den Kühlschrank oder Keller.

"Vitaminpräparate müssen regelmäßig gegeben werden"

Die meisten im Zoohandel erhältlichen Präparate sind völlig wirkungslos und bringen eher was der Kasse des Ladenbetreibers. Sollte man doch mal eins erwischen, was „es“ in sich hat, kann es leicht überdosiert werden und der Schildkröte mehr schaden als nützen. Bei einer ausgewogenen Ernährung müssen keine dieser Mittelchen eingesetzt werden.

"In Futtersticks ist „Alles“ drin und sie sind Bestens zur alleinigen Fütterung damit geeignet"

In wie weit in Futtersticks alles Lebenswichtige für Wasserschildkröten drin ist, darüber lässt sich streiten. Sicher ist jedoch, dass Sticks sehr proteinreich sind und somit bei vielen Wasserschildkröten für Übergewicht und daraus resultierende Organschäden sorgen.

"Allein lebende Weibchen brauchen keinen Eiablageplatz"

Auch sie können Eier legen! Deshalb sollte für adulte Tiere  immer ein Eiablageplatz zur Verfügung stehen. Besser früher einen Ablageplatz bieten anstatt zu spät.
Dazu geeignet ist eine Plastikkiste, die mit feuchtem Sand/Erde-Gemisch gefüllt wird. Sie sollte so tief sein, wie der Panzer lang ist.

"Eine Wasserschildkröte allein ist einsam"

Meist klappt es noch ganz gut mit dem Zusammenleben von mehreren Tieren, solange sie klein sind. Oft fangen mit dem Wachstum oder auch bei Eintritt der Geschlechtsreife die Probleme dann an. Dominanzverhalten, Unverträglichkeiten bis hin zu Beißereien oder dauernde Bebalzung der Weibchen gehören fast zur Tagesordnung, vermehrt wenn die Tiere sich nicht aus dem Weg gehen können, was in Aquarien oft nicht möglich ist. Deshalb sei gerade einem Anfänger nur zu einem Tier geraten, vor allem dann,  wenn man nicht den Platz und das Geld hat  um bei Bedarf ein 2. Becken aufzustellen!